1. Lehrjahr · Grundlagen · Netzwerke

Wie Daten ihr Ziel finden

Netzwerke werden übersichtlich, sobald du die Aufgaben in Schichten zerlegst: Wer ist das Ziel, welcher Weg führt dorthin und welcher Dienst soll antworten?

Das Gesamtbild

Der Weg eines Webseitenaufrufs

Du öffnest https://example.org. Dahinter laufen mehrere klar getrennte Schritte ab:

1
DNS löst den Namen auf

Der Client fragt nach der IP-Adresse, die zum Hostnamen gehört.

2
Die Route wird bestimmt

Liegt das Ziel nicht im eigenen Subnetz, sendet der Client an sein Default Gateway.

3
ARP findet die lokale MAC-Adresse

Für den nächsten Hop braucht der Client im Ethernet die MAC-Adresse des Gateways.

4
TCP und TLS bauen die Verbindung auf

TCP sorgt für eine zuverlässige Übertragung; TLS schützt Vertraulichkeit und Integrität.

5
HTTP überträgt Anfrage und Antwort

Der Browser fordert die Seite an, der Webserver liefert Status, Header und Inhalt.

Denkmodell

Das OSI-Modell

Das OSI-Modell beschreibt Kommunikation in sieben Schichten. Jede Schicht nutzt die darunterliegende und bietet der darüberliegenden einen Dienst an. In echten TCP/IP-Netzen sind die Grenzen nicht immer scharf – für Analyse und Prüfung ist das Modell trotzdem sehr nützlich.

SchichtAufgabeBeispieleAdressierung
7 AnwendungDienste für ProgrammeHTTP, DNS, SMTP, SSHName, URL
6 DarstellungFormat, Kodierung, VerschlüsselungTLS, UTF-8, JPEG
5 SitzungSitzungen steuernDialogsteuerung, Checkpoints
4 TransportEnde-zu-Ende-TransportTCP, UDPPort
3 VermittlungNetze verbinden, Wege wählenIPv4, IPv6, ICMP, RouterIP-Adresse
2 SicherungFrames im lokalen NetzEthernet, WLAN, Switch, VLANMAC-Adresse
1 BitübertragungBits als Signal übertragenKupfer, Glasfaser, Funk
Merkhilfe von 7 nach 1: „Alle deutschen Studenten trinken verschiedene Sorten Bier.“ Wichtiger als der Spruch ist jedoch, dass du typische Protokolle und Geräte zuordnen kannst.

Transportschicht

TCP oder UDP?

TCP: zuverlässig

Verbindungsorientiert, bestätigt Daten, sortiert Segmente und überträgt verlorene Daten erneut. Typisch für HTTPS, SSH und E-Mail.

UDP: schnell und schlank

Verbindungslos, ohne Zustellgarantie oder Sortierung. Typisch für DNS-Anfragen, Echtzeit-Audio und DHCP.

Prüfungsfalle: UDP ist nicht automatisch „besser für kleine Daten“. Entscheidend ist, ob die Anwendung Zuverlässigkeit selbst regelt oder geringe Verzögerung wichtiger ist.

Vermittlung

IPv4-Adresse und Subnetzmaske

Eine IPv4-Adresse besteht aus 32 Bit. Die Subnetzmaske trennt den Netzanteil vom Hostanteil. Bei 192.168.10.34/24 gehören die ersten 24 Bit zum Netz. Das Netz heißt 192.168.10.0.

  • Netzadresse: alle Hostbits 0 – bezeichnet das Netz selbst.
  • Broadcast: alle Hostbits 1 – erreicht alle IPv4-Hosts im Subnetz.
  • Default Gateway: Routeradresse für Ziele außerhalb des eigenen Netzes.
  • Private Bereiche: 10.0.0.0/8, 172.16.0.0/12 und 192.168.0.0/16.
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Infrastruktur

Switching, Routing, DNS und DHCP

S
Switch

Leitet Ethernet-Frames anhand seiner MAC-Adresstabelle innerhalb eines Layer-2-Netzes weiter.

R
Router

Verbindet IP-Netze und wählt anhand seiner Routingtabelle den nächsten Hop.

D
DNS

Ordnet Namen Ressourcen zu. Häufige Records sind A, AAAA, CNAME, MX, NS und TXT.

H
DHCP

Vergibt automatisch IP-Konfiguration. Der Grundablauf heißt DORA: Discover, Offer, Request, Acknowledge.

Physische Infrastruktur

Strukturierte Verkabelung

Eine strukturierte Verkabelung plant Anschlüsse hierarchisch und anwendungsneutral. In Gebäuden unterscheidet man Primärbereich zwischen Gebäuden, Sekundärbereich zwischen Etagen und Tertiärbereich bis zu den Anschlussdosen.

  • Standortverteiler: verbindet Gebäude beziehungsweise den Campus.
  • Gebäudeverteiler: sammelt Verbindungen innerhalb eines Gebäudes.
  • Etagenverteiler: verbindet Patchpanel und Switch mit den Datendosen der Etage.
  • Dokumentation: Jede Dose, jeder Port, jedes Patchpanel und jedes Gerät erhält eine eindeutige, nachvollziehbare Kennzeichnung.
Fehlersuche: Eine konsistente Bezeichnung wie Standort–Etage–Geräteart–Position spart Zeit, weil beide Enden einer Strecke in Plan und Rack eindeutig auffindbar sind.

Segmentierung

VLANs trennen Broadcast-Domänen

Ein VLAN bildet auf Switches ein eigenes logisches Layer-2-Netz. Geräte verschiedener VLANs benötigen einen Router oder Layer-3-Switch, um miteinander zu kommunizieren.

  • Access-Port: gehört normalerweise ungetaggt zu genau einem VLAN.
  • Trunk-Port: transportiert mehrere VLANs, meist mit IEEE 802.1Q-Tags.
  • Nutzen: Struktur, kleinere Broadcast-Domänen und eine Basis für Sicherheitsregeln.

Selbstcheck

Kannst du es erklären?

Warum braucht ein Client im lokalen Ethernet sowohl IP- als auch MAC-Adressen?

Die IP-Adresse kennzeichnet Quelle und Ziel über Netzgrenzen hinweg. Die MAC-Adresse bringt den jeweiligen Frame nur im aktuellen Layer-2-Segment bis zum nächsten Hop.

Wann sendet ein Client an das Default Gateway?

Wenn die Ziel-IP laut eigener IP-Adresse und Subnetzmaske nicht im lokalen Subnetz liegt. Das Gateway übernimmt dann die Weiterleitung.

Warum kommunizieren zwei VLANs nicht direkt miteinander?

Jedes VLAN ist eine eigene Broadcast-Domäne und üblicherweise ein eigenes IP-Netz. Kommunikation dazwischen erfordert Routing und kann dort gefiltert werden.